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Rezension: «Personenorientierte Maltherapie - Wie der Malprozess Gedanken und Gefühle klären kann» von Bettina Egger und Urs Hartmann

Jedes neue Buch von Bettina Egger, der Gründerin der personenorientierten Maltherapie, wird von einer treuen Lesergemeinde von ehemaligen StudentInnen, BerufskollegInnen und vielen weiteren Interessierten mit Spannung erwartet. 

 

Mit «Personenorientierte Maltherapie - Wie der Malprozess Gedanken und Gefühle klären kann» ist in Zusammenarbeit mit Urs Hartmann ein einzigartiges Manifest der Personenorientierten Maltherapie entstanden. Es kann als Einführung oder Leitfaden zur Methode der Personenorientierten Maltherapie gelesen werden. Durch den vielschichtigen Aufbau des Werkes mit Lauftext, sehr ausführlichen Bildstrecken, Erläuterungen oder Aussagen der Malenden/Therapeuten zu den Bildstrecken, Grafiken, kleinen Einschüben und Kastentexten zu speziellen Themen ist es jedoch noch viel mehr geworden. 

 

Hier wurde das eigentliche Herz der Methode der Personenorientierten Maltherapie zu Papier gebracht. Diese verzichtet völlig auf die künstlerische oder psychologische Interpretation des Gemalten und vertraut darauf (und sorgt dafür), dass im Prozess des Malens ein Raum entsteht, in dem Neues entdeckt werden kann. Darin wird die Lösung des Anliegens der Klientin oder des Klienten gefunden. 

Die Methode ist gerade aufgrund ihrer Offenheit nicht immer einfach zu erklären. Hier brilliert das Werk durch die Klarheit der Reflektion der Praxis und hervorragend herausgearbeitete Struktur der Personenorientierten Maltherapie.

Der Lauftext führt in kurzen Kapiteln über eine kurze Einführung «Was Personenorientierte Maltherapie bedeutet», zu den «Grundeinstellungen» und Annahmen, «Angst als zentralem Gefühl», zur «Arbeit mit den Gefühlen». Besonders lebendig veranschaulicht werden die Kapitel durch zum Teil ausführliche Bildstrecken von Malereien von Klientinnen und Klienten. 

 

Das Kapitel «Beobachtungsgrundlagen» mit dem Modell der drei Ebenen Beziehungsebene, Bildebene und Prozessebene ist am ausführlichsten ausgefallen, so gibt es zur Arbeit auf der Bildebene ganze acht Bildstrecken. 

Neu war für mich das Konzept der «Wandlungsphasen: Kontrolle – Unentschiedenheit – Verwirrung – Eigenverantwortung – Vertrauen», die jeweils mit Text, Grafik und Bildstrecken erläutert werden.

Darauf folgt eine Darlegung der sogenannten «Interventionen» (gewissermassen der Werkzeugkasten der personenorientierten Maltherapeutin/des personenorientierten Maltherapeuten): Präsenz – Entstehen lassen/nicht eingreifen – Spiegeln – Fragen – Gegenüberstellen, mit Text und zwei Bildstrecken.

 

Ebenfalls sehr gelungen ist der Teil «Aus der Praxis», mit den Themen "Rahmenbedingungen und Setting – Arbeitsbündnis – Beginn einer Maltherapie" mit einer langen Bildstrecke. Gefolgt von "Verlauf einer Maltherapie mit Ausführungen zu Bruch/Massnahme - 1. Impuls - Rückkehr zum 1. Impuls - Die nächste Farbe – Herausforderungen - Neue Wege - Die Überraschung - Anerkennen was ist - Berührt sein - Das Bild findet ein Ende - Gegen die Regel". Dieser Teil wird mit 12 Bildstrecken erläutert. Es folgen noch Ausführungen zu Problemen, zum Erkennen und Benennen von Anliegen sowie zum Auflösen von Anliegen, und "Beim Malen Begleiten", alle mit ebenfalls interessanten Bildstrecken und Definitionen.

 

Einen natürlichen Abschluss findet das Werk mit den Kapiteln «Wohin die Personenorientierte Maltherapie führt» mit einem Verweis auf das Konzept der Qualitäten von Manuel Schoch und das Lernen und immer wieder neu lernen, das die Plastizität und Lebendigkeit der Methode unterstreicht.

Im Ton und in den Zitaten des Buches klingen die Quellen an, aus denen sich das Verständnis der personenorientierten Maltherapie speist: Im «Wir» und «Uns», das die Autoren benutzen, das Pionierverständnis, die Frische einer Therapie, die noch plastisch, noch in der Entwicklung ist. 

Acht in Grün gedruckte Einschübe erinnerten mich an die Postulate der Themenzentrierten Interaktion von Ruth Cohn. Es sind kleine konzentrierte Texte, die in Statements münden: «Personenorientierte Maltherapie ist Forschung», schliesst beispielsweise der erste Einschub. 

 

Zitate verweisen auf Carl Rogers (Klientenzentrierte Gesprächstherapie und Humanistische Psychologie), Manuel Schoch (Time Therapie, Qualitäten), Luc Ciompi und Elke Endert (Affektlogik), Joseph Le Doux, David Eagleman, Eric Kandel (alle drei Neurowissenschaftler), Sidney Rosen/Milton Erickson (Hypnotherapie). Frank-M. Staemmler und Werner Bock (Gestalttherapie). Das Literaturverzeichnis ist für den geneigten Leser/die geneigte Leserin eine Einladung zum Weiterlesen.

 

Im Anhang «Wie es zur Personenorientierten Maltherapie kam» wird Arno Stern, dem Begründer des Malens im Malort, die Reverenz erwiesen und ein Kürzest-Resümee der Entstehungsgeschichte der Personenorientierten Maltherapie und des Werdegangs der beiden Autoren gegeben. 

 

Das Grundlagenwerk ist ein Muss für Studierende und Fachleute aus dem nahen oder weiteren Umfeld der Personenorientierten Maltherapie, aber auch - und hier kann man vor den Autoren nur den Hut ziehen – einfach genug geschrieben um jedem anderen Interessierten die Struktur der Personenorientierten Maltherapie verständlich zu machen. 

 

Ich habe mich sehr gefreut über das Geschenk, das uns die Autoren hier gemacht haben und wünsche dem Buch von Herzen viele Leserinnen und Leser!

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Kommentare: 1
  • #1

    Bettina Egger (Mittwoch, 15 März 2017 21:46)

    Liebe Lisa,
    herzlichen Dank für deine tollen Rezensionen, ich fühle mich verstanden und geehrt.
    Alles Liebe
    Bettina