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Der Körper als Instrument

Bilder: Tony Orrico auf www.artsediments.com

 

Der Körper kann am Kunstmachen ganz unterschiedlich beteiligt sein.

 

Stell dir eine Skala vor, auf der ganz links die volle Hingabe des Körpers als (einziges) Instrument ist, zum Beispiel bei Tänzern. Gestern habe ich das Ballett "Nijinski" von Mario Goecke im Opernhaus Zürich gesehen. Der Körper als präzises Hochleistungsinstrument, die Feier des Momentes, stehen im Vordergrund und die bildliche Spur bleibt nur kurz auf der Netzhaut.

 

Näher zur Mitte hin befinden sich Künstler wie Heather Hansen oder Tony Orrico. Sie "malen" mit ihrem Körper als Instrument. Die Performance ist wichtig, vielleicht wichtiger als das "Bild". Die bildnerische Spur sind mehr als körpergrosse "Zeichnungen" oder Abdrücke. Filme halten die Performances fest.

 

Mit zunehmender Distanz, aber immer noch hohem körperlichem Engagement, wären daneben Malerinnen wie Miriam Cahn mit ihrem Frühwerk. Sie zeichnete zeitweise auf dem Boden, auf Überformaten, die es ihr erlaubten, ganz einzutauchen ins Bild. Ihr war während des Schaffensprozesses die körperliche Verbindung mit dem entstehenden Werk wichtiger als eine Übersicht oder kritische Distanz. Sie verstand dieses Vorgehen durchaus als Statement, gilt sie doch als Vertreterin einer (feministisch und politisch) engagierten Kunst. Sie hat jetzt eine Ausstellung in Bern, die man nicht verpassen sollte.

 

Weiter rechts auf der Skala kämen dann die "klassischen" Maler, die mit den Händen arbeiten, dann diejenigen, die kleinere Formate und Pinsel oder dergleichen verwenden. Wollte man noch mehr Distanzierung des Körpers ganz rechts, könnte man noch die Fotografin nennen, die Linsen und Apparat zwischen sich und Motiv hat.

 

Man hat als bildende Künstlerin so seine Lieblingskörperdistanz, mit der man sich wohlfühlt. Warum nicht einmal eine andere Distanz kennenlernen? Hast du es schon mal versucht? Was ist dabei rausgekommen? Was ändert es, wenn du dir die Hände schmutzig machst? Oder gar den Körper?

Tänzer

 


Der Körper als einziges Instrument, flüchtige Spur der Bewegung im Raum

 

 

 

Heather Hansen

Tony Orrico


Körper und Farbe als Malinstrumente, Performance, physisches "Bild" als Spur des Körpers auf der Fläche

 

Miriam Cahn
(Frühe Werke)


Zeichnen und Malen auf Überformaten, am Boden, mit den Händen

Die meisten "klassischen" Maler


Unterschiedlicher Körpereinsatz, stehendes oder sitzendes Arbeiten, mit Pinseln etc.

Fotografin

 


Unterschiedlicher Körpereinsatz, meist stehend, mit Apparat, Linsen und ev. Display zwischen sich und Motiv.


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