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Schweigend eine Blume zeigen

Um die Geburtsstunde des Zen-Buddhismus rankt sich eine Legende, die mich besonders berührt:

 

Eines Tages hielt Buddha nicht eine Lehrrede, wie üblich, sondern zeigte schweigend eine Blume. Ein einziger der versammelten Schüler verstand diese wortlose Botschaft und wurde zum Ahnherrn des Zen.

 

Der Weg des Zen-Buddhismus ist besonders durch das "Sitzen in Versunkenheit" geprägt, durch das zur Befreiung und Erleuchtung durchgebrochen werden soll.

Dieser Weg ist geprägt von Disziplin, grosser Einfachheit, Ruhe, innerer Stärke, Spontaneität und der Überwindung des dualen, begrifflichen Denkens. Auf das intensive Studium der Sutren, das Philosophieren oder die Durchführung von Ritualen, die in anderen buddhistischen Schulen weit wichtiger sind, wird im Zen weniger Wert gelegt.

 

Den Zen-Mönchen galt Kunst als eine Form aktiver Meditation. Die von ihnen geschaffenen Kunstwerke waren niemals bloss Selbstausdruck, sondern praktischer Schritt auf dem Weg zur Erleuchtung.

 

Teich, 2005 © Lisa Keuerleber
Teich, 2005 © Lisa Keuerleber

Die Geistigkeit des Zen-Buddhismus durchdrang besonders in Japan alle Kunstformen wie Dichtung, Tuschmalerei, Kalligraphie, Theater, Musik, Architektur, Töpferei, Ikebana, Teezeremonie und Gartenkunst.

Auch der Kriegerstand wandte sich dem Zen zu. So wurden auch Künste wie Bogenschiessen, Schwert- und Ringkampf eingebunden.

 

Die japanische Ästhetik wabi sabi wurde von Zen beeinflusst, mit ihrer Akzeptanz und Kontemplation der Unvollkommenheit und der Unbeständigkeit aller Dinge. Sie feiert das Einfache, Unscheinbare, Unperfekte, Rauhe, Bescheidene, Verborgene.

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