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Skizzenbuch Finistère

Baie des Trépassés, Gouache auf Broteinwickelpapier
Baie des Trépassés, Gouache auf Broteinwickelpapier

Arriver

Endlich erreichen wir Finistère, das Ende der (den Römern damals bekannten) Welt. Die nächsten Wochen werden in diese Welt zwischen Wasser und Land eintauchen.

 

Breizh

So nennen die Bretonen ihr Land. Sie sind sehr stolz auf ihr keltisches Erbe. Alle Strassenschilder sind zweisprachig, auch wenn die Schreibweise manchmal nur um einen Buchstaben abweicht.

Cap Sizun

Ein einziger Traum von wunderschönen Naturlandschaften. Mit Heidekraut und Farnen bewachsene Felsklippen, Buchten mit feinstem Sand. Hübsche Städtchen, deren Granithäuschen sich um den Platz vor der Jahrhunderte alten gotischen Kapelle scharen.

 

Douarnenez

Die Stadt hat früher von der Sardinenfischerei und -verarbeitung gelebt. Jetzt wo eher Touristen gefischt werden, hat sie sich hergerichtet und beeindruckt mit ihrer schönen Lage. Sogar ein Plakat für ein Poesiefestival fällt mir ins Auge.

 

Eichen

Eichen- und Kastanienwälder wechseln mit Pinien ab. Feen, Elfen, Wildschweine und das im Wappen der bretagne verewigte weisse Hermelin im Verborgenen.

 

Fête

Überall ist gerade Fête. Alles ist ein Grund zum Feiern: die Sardinen, eine Brocante, der Sommer, das Quartier, die Musik, Literatur, der Film, Wein, Weib und Gesang…

Unsere Vermieterin Nina und ihr Liebster gehen an jede. Die gibt es nur im Sommer, sagen sie, in der Feriensaison. Den Rest des Jahres sitzt man zuhause.

 

Grau

Meer, Himmel und Wolken steuern schon die schönste Farbsammlung bei, mit Perlmuttreflexen und dramatischen Wechseln. Der allgegenwärtige Granit der Klippen, Felsbrocken, Hinkelsteine, Gebäude und Dächer ergänzt sie. Das Bedeckte steht dieser Landschaft.

 

Hasen

Wir sehen Hasen, die ich liebe. Zwei jagen sich gegenseitig lange über ein Feld, schneller als unsere Augen folgen können. Danach bin ich überzeugt, dass sie uns Glück bringen werden.

 

Iroise

Der Klang des Ausdrucks «la mer iroise» bringt mich zum Träumen. Das Meeresgebiet um Brest beherbergt wegen seiner starken Strömungen und seinem sauerstoffreichen Wasser einen grossen Artenreichtum. Unter anderem Delphine und Hundsrobben sowie der Wolfsbarsch leben dort. Wir sehen aber nur einen Wolfsbarsch im Aquarium (und einmal ein Stück auf meinem Teller).

 

Jardin éxotique

In Quimper treten wir aus den engen, malerischen Gassen um die Kathedrale mit ihren Granit- und Fachwerkhäusern in den Jardin éxotique. Im Schutz hoher Mauern verzaubern uns Palmen und tropische Gewächse. Sicher haben weitgereiste Seeleute die Sammlung angelegt. Es ist warm und windstill.

 

Klippen

Schauplätze der immerwährenden atemberaubenden Schlacht zwischen Meer und Fels. Manche formen eine Pointe oder gar ein Cap oder umschliessen eine liebliche Bucht. Andere wurden mit Leuchttürmen gekrönt, um den Schiffen den sicheren Weg durch dieses Getümmel zu weisen.

 

Lumière

Immer wechselnd ist das Licht an der Küste mal dramatisch, mal lieblich mild. Ich kann all die Maler gut verstehen, die von der Bretagne inspiriert waren und sind. Im Sommer wimmelt es von Expositions in allen Ecken. Auch ich möchte bleiben und malen.

 

Montbretia crocosmia

Aus den Gärten ausgebüchst säumen Montbretien Strassen und Feldränder und tupfen die Landschaft mit ihrem leidenschaftlichen Orangerot.

 

Nina

Unsere liebenswerte Wirtin ist ihrem schweigsamen surfverrückten Bretonen an die Küste gefolgt und hat eine Ferme gekauft, die sie zusammen umbauen. Ihr wilder Permakulturgarten versorgt sie und die Hühner mit Gemüsen, Früchten und Kräutern.

 

Oiseaux

Die allgegenwärtigen streitsüchtigen Möwen, Gruppen von Strandläufern, die kleinen Gartenvögel, Elstern, Dohlen, Krähen und Raubvögel sehen wir in der Landschaft.
Zweimal besuchen wir eine Raubvogeldarbietung. Nie vorher habe ich Eulen, Käuze, Milane, Geier und einen Seeadler so von ganz nah in Aktion erlebt. Ihr wunderschönes Gefieder und ihre Aggressivität beeindrucken mich über alle Massen.

Plage

Jeder kann sich seinen Lieblingsstrand nach seinem Geschmack aussuchen. Seicht und geschützt, oder doch lieber mit tollen Wellen zum Surfen? Warm und windstill oder lieber sturmgepeitscht? Mit Bademeistern oder Hunden? Glasklares Wasser lädt Abgehärtete zum Bade.

 

Quallen

Ganz kleine angeschwemmte Glibberhäufchen mit seltsamen ultramarinblauen Farbeinschlüssen an einem unserer ersten Strände. Ein Schwarm ihrer lebenden Verwandten schwebt im Aquarium vor unseren Augen. Ein pulsierender Tanz von durchsichtigen Schirmen mit Fäden.

 

Romanik

Herzergreifend schlicht und schön sind die romanischen und gotischen Gotteshäuser. An manchen wurde sichtbar immer wieder angesetzt - ein neues Portal, ein Turm, ein zusätzliches Schiff...

Das Alte durfte bleiben, wurde zärtlich eingefügt. Ich stelle mir vor, wir laut ich gebetet hätte, wäre es meine Arbeit gewesen, jeden Tag dem Meer zu trotzen...

 

Sardinen

Frisch vom Grill schmecken sie köstlich. Wir geniessen sie mit unseren Vermietern. Ein Land ohne Sardinen würde ihr traurig vorkommen, sagt Nina.

 

Touristen

Im Finistère nicht ganz so viele wie sonst in der Bretagne. Meist französischer Binnentourismus, aber auch Deutsche auf den Spuren von Commissaire Dupin. Viele Sport- und Naturbegeisterte. Wir werden gut behandelt, man bietet uns Spezialitäten und Souvenirs an, unterhält uns mit Expositions, Märkten und Fêtes.

 

Ultramarin

(lateinisch ultramarinus "überseeisch; über das Meer"). Das Meer nimmt alle Blau-, Grün- und Grautöne an, die ich mir vorstellen kann, und wenn ihm damit doch langweilig wird, kleidet es sich in silbrige Seide, perlmuttene Reflexe und Sonnenpailletten, bevor es sich in Samtschwarz der Nacht anheim gibt.

 

Vacances

Meine mütterlicherseits südfranzösischen Verwandten schienen für den Sommer nur Espadrilles, einen Badeanzug und ein Strandtuch zu brauchen - zumindest schien mir das als Kind so. Wir leben das Zauberwort meiner Kindheit, brauchen als Erwachsene und Schweizer aber ungleich mehr...

 

Wellen

Dieser Zauber, wenn eine Welle sich aufbaut, grünlich glasklar auftürmt, bis sie bricht und in Schaum zerfliesst. Ich werde des Schauspiels nie überdrüssig.

 

Xylocopa

Holzbienen - das einzige mit diesem Buchstaben mit Bezug zur Bretagne. Da kann ich nichts drüber sagen. Die einzige Alternative wäre XIV, Louis, der Zerstörer der Bretagne, der gierige Tyrann, über den die Geschichtsbücher urteilen mögen.

 

Ys

Versunkene Stadt in der Bucht von Douarnenez. Es ist eine sehr schöne Bucht.

An Geschichten und Legenden fehlt es in der Bretagne nicht. Mit ihnen werde ich mir die Zeit vertreiben, bis ich wieder komme...

 

Zuhause

Durchgepustet und glücklich kommen wir nach der langen Reise wohlbehalten wieder in unserem schönen Städtchen an. Merci et à la prochaine fois!

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Kommentare: 2
  • #1

    Christina (Montag, 22 August 2022 10:49)

    Liebe Lisa
    Beim Lesen deines Tagebuches ist mir die salzige Meerluft um die Nase gestrichen vor mir sind "meine" Bilder der Bretagne erschienen die Farben die Stimmungen Düfte und natürlich das feine Essen liessen mir immer wieder das Wasser im Munde zusammenfliessen!
    Danke, durfte ich in dein erfrischendes, lebendiges und wunderschöne Tagebuch reinschauen.....
    A+ Christina

  • #2

    Lisa (Dienstag, 30 August 2022 13:23)

    Danke Christina, für die liebe Rückmeldung (-: